ROBOTIKSIGNAL
Sektor 03 · Industrie & Arbeit

Nehmen Roboter uns die Arbeit weg?

von RobotikSignal · Redaktion: Marc Partipilo Veröffentlicht am 1. Oktober 2026 12 Min. Lesezeit
Eine Facharbeiterin richtet an einem Tablet eine Roboterzelle in einer Fabrikhalle ein
Der Roboter übernimmt den Handgriff, der Mensch richtet ihn ein: So sieht Automatisierung in vielen deutschen Betrieben aus. Ob dabei unterm Strich Arbeit verloren geht, ist eine Frage an die Daten. KI-generiertes Symbolbild

Im September 2013 stellten zwei Forscher der Universität Oxford ein Arbeitspapier online. Darin stand eine Zahl, die seitdem durch Schlagzeilen, Vorträge und Talkshows wandert: 47 Prozent. So groß sei der Anteil der Beschäftigung in den USA, der durch Computer und Maschinen gefährdet ist. Aus dem Satz wurde schnell „Roboter vernichten jeden zweiten Job“. Das steht so nicht in der Studie.

Gut zehn Jahre später gibt es bessere Daten. Deutschland gehört zu den Ländern mit den meisten Industrierobotern je Beschäftigtem, und Forscher haben mit Sozialversicherungsdaten nachverfolgt, was mit den Menschen in stark automatisierten Regionen passiert ist. Dieser Artikel geht die wichtigsten Studien durch: was sie gemessen haben, was sie zeigen und wo ihre Grenzen liegen. Wo Roboter in Fabriken heute arbeiten, beschreibt unser Überblick Roboter in der Industrie. Hier geht es nur um die Arbeitsplätze.

Die kurze Antwort: Für Deutschland zeigt die Forschung bisher keinen Verlust an Arbeitsplätzen unterm Strich. Die gründlichste Studie (Dauth und Kollegen, Daten von 1994 bis 2014) findet: Wo sich die Industrie stark automatisiert hat, entstanden weniger neue Industriejobs, vor allem für Berufseinsteiger. Dafür wuchsen die Dienstleistungen, Massenentlassungen gab es nicht. Für die USA fanden Acemoglu und Restrepo im Zeitraum 1990 bis 2007 dagegen negative Effekte auf Beschäftigung und Löhne. Die berühmten 47 Prozent beschreiben technische Möglichkeiten, keine Prognose von Jobverlusten. Die Einschränkung: Alle diese Studien schauen zurück, auf klassische Industrieroboter, in bestimmten Ländern und Jahren. Für generative KI und humanoide Roboter gibt es solche Langzeitdaten noch nicht.

Die 47 Prozent: was Frey und Osborne gemessen haben

Carl Benedikt Frey und Michael Osborne haben für 702 Berufe in den USA geschätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass Computer oder computergesteuerte Maschinen sie übernehmen könnten. Grundlage waren Berufsbeschreibungen aus der US-Datenbank O*NET und ein statistisches Lernverfahren. Ergebnis: Rund 47 Prozent der US-Beschäftigung entfallen auf Berufe mit hohem Risiko, also einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent [1]. Das Papier erschien 2013, die Zeitschriftenfassung 2017.

Drei Dinge gehen beim Zitieren regelmäßig verloren:

  • Es geht um technische Machbarkeit, nicht um Entlassungen. Die Autoren schreiben selbst: „We make no attempt to estimate how many jobs will actually be automated.“ Ob ein Betrieb automatisiert, hängt auch von Löhnen, Kapitalkosten und Regeln ab. Diese Faktoren haben sie ausdrücklich nicht eingerechnet.
  • Der Zeitraum ist offen. Die Rede ist von einer unbestimmten Zahl von Jahren, vielleicht ein oder zwei Jahrzehnten. Wer die Zahl 2026 als überprüfbare Vorhersage liest, liest mehr hinein, als die Autoren geschrieben haben.
  • Bewertet werden ganze Berufe in den USA. Ein Beruf besteht aber aus vielen Tätigkeiten, von denen oft nur ein Teil automatisierbar ist. Diese Mischung bildet das Modell nicht ab.

Am letzten Punkt setzte eine Studie im Auftrag der OECD an. Melanie Arntz, Terry Gregory und Ulrich Zierahn werteten 2016 nicht Berufe aus, sondern die Tätigkeiten, die Beschäftigte in der internationalen Erwachsenenerhebung PIAAC selbst angegeben hatten. Mit dieser Methode lag der Anteil der Jobs mit hohem Risiko im Schnitt der untersuchten OECD-Länder bei 9 Prozent, in Deutschland bei rund 12 Prozent [2]. Hohes Risiko hieß auch hier: mindestens 70 Prozent der Tätigkeiten automatisierbar. Bei weiteren 25 Prozent der Jobs wären 50 bis 70 Prozent der Tätigkeiten betroffen. Diese Jobs verschwinden nach Lesart der OECD nicht, sie verändern sich stark.

Dieselbe Frage, zwei Methoden, 47 gegen 9 Prozent: Die Zahl hängt davon ab, ob man Berufe oder Tätigkeiten zählt.

Deutschland: viele Roboter, kein Einbruch

Deutschland ist ein guter Prüfstein, weil hier früh und viel automatisiert wurde. Nach Zahlen der International Federation of Robotics (IFR) kamen 2024 in der deutschen Industrie 449 Industrieroboter auf 10.000 Beschäftigte. Das ist Platz drei weltweit hinter Südkorea mit 1.220 und Singapur mit 818. Der Durchschnitt der EU lag bei 231, die USA kamen auf 307 [3]. Diese Roboterdichte setzt den Roboterbestand ins Verhältnis zu den Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe. Wie viele Menschen ohne Roboter dort arbeiten würden, sagt sie nicht.

Die gründlichste Untersuchung für Deutschland stammt von Wolfgang Dauth, Sebastian Findeisen, Jens Südekum und Nicole Wößner, erschienen 2021 im Journal of the European Economic Association [4]. Die vier haben Erwerbsbiografien aus den Sozialversicherungsdaten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet, für 402 Kreise und die Jahre 1994 bis 2014. Sie verglichen Regionen, deren Industrie sich stark automatisiert hat, mit Regionen, in denen das kaum geschah. Die meisten zusätzlichen Roboter kamen in der Autoindustrie hinzu. Was sie fanden:

  • Verdrängung in der Industrie: Ja. Nach der bevorzugten Schätzung der Autoren entfiel rechnerisch auf jeden zusätzlich installierten Roboter ein Rückgang um 1,7 Industriebeschäftigte. Der Effekt ist im Schnitt etwa halb so groß wie bei derselben Rechnung für die USA.
  • Ausgleich bei Dienstleistungen: In denselben Regionen entstanden mehr Jobs bei Dienstleistern, vor allem bei solchen, die für andere Unternehmen arbeiten. Der Verlust in der Industrie wurde dadurch vollständig ausgeglichen, die Gesamtbeschäftigung blieb unverändert.
  • Weniger Neueinstellungen statt Entlassungen: Die Last trugen vor allem junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens. Sie fingen seltener in der Industrie an und häufiger im Dienstleistungssektor. Wer schon im Betrieb war, blieb dort sogar eher länger, oft mit neuen Aufgaben. Massenentlassungen haben Industrieroboter in Deutschland laut den Autoren nicht ausgelöst.
  • Gewinner und Verlierer innerhalb der Belegschaft: Die neuen Aufgaben im selben Betrieb waren besser bezahlt und weniger von Routine geprägt. Wer dagegen den Betrieb, die Branche oder die Industrie verlassen musste, verdiente danach meist deutlich weniger und holte das oft nicht wieder auf.
  • Bildungswege verschieben sich: Junge Menschen in stark automatisierten Regionen begannen seltener eine Berufsausbildung und häufiger ein Studium.

Die Autoren betonen selbst, wie stark das Ergebnis von den Regeln am Arbeitsmarkt abhängt. Der Schutz der Stammbelegschaft verschob die Last auf die Berufseinsteiger. In Regionen mit schwächeren Gewerkschaften war die Verdrängung stärker. Und: Die Daten enden 2014. Die Studie beschreibt klassische Industrieroboter, keine KI-Software und keine Humanoiden.

USA: gleiche Methode, anderes Ergebnis

Die Methode der deutschen Studie stammt aus den USA. Daron Acemoglu und Pascual Restrepo untersuchten, wie sich Industrieroboter zwischen 1990 und 2007 auf lokale Arbeitsmärkte auswirkten, gemessen an Pendlerregionen [5]. Ihr Ergebnis, 2020 im Journal of Political Economy erschienen: Ein zusätzlicher Roboter pro tausend Beschäftigte senkte die Beschäftigungsquote um 0,2 Prozentpunkte und die Löhne um 0,42 Prozent. Die Effekte blieben auch dann bestehen, wenn die Autoren andere Investitionen und Technologien berücksichtigten.

Warum fällt das Ergebnis in Deutschland anders aus? Dauth und Kollegen haben dieselbe Rechnung für Deutschland nachgebaut und ebenfalls Verdrängung gefunden, aber zusätzlich den Ausgleich durch neue Jobs in Dienstleistungen. Als Erklärung verweisen sie auf den Schutz der Beschäftigten und die Rolle der Gewerkschaften. Sie formulieren das vorsichtig, als Hinweis, nicht als Beweis.

Beide Studien teilen eine Grenze. Wie viele Roboter in einer Region tatsächlich stehen, ist nicht gemessen. Es wird aus der Branchenstruktur der Region und den Roboterzahlen der Branchen geschätzt. Das Verfahren spricht für einen ursächlichen Zusammenhang, ist aber kein Experiment. Und beide Studien enden, bevor KI-gesteuerte Roboter eine Rolle spielten.

Die Studienlage im Vergleich

Die meistzitierten Zahlen messen Verschiedenes. Die Grafik stellt die Anteile nebeneinander, die in der Debatte als „gefährdete Jobs“ kursieren. Keiner davon ist eine Vorhersage, wie viele Menschen ihre Arbeit verlieren.

Vier Studien, fünf Zahlen: Anteil mit hohem Automatisierungspotenzial Gefährdete Jobs? Kommt auf die Methode an FREY/OSBORNE 2013 USA · ganze Berufe bewertet 47 % IAB 2024 Deutschland, Stand 2022 · Beschäftigte in Berufen 38 % OECD 2023 Schnitt der OECD-Länder · Berufe, inkl. KI 27 % ARNTZ U. A. 2016 Deutschland · Tätigkeiten je Job bewertet 12 % ARNTZ U. A. 2016 Schnitt der untersuchten OECD-Länder 9 % Alle Werte: technisches Potenzial nach jeweils eigener Methode, keine Prognose von Jobverlusten.
Anteil der Beschäftigung mit hohem Automatisierungspotenzial nach Studie. Quellen: Frey/Osborne [1], Arntz u. a. über OECD [2], IAB [6], OECD [7]. Eigene Darstellung.

Die Zahlen aus der Grafik beschreiben, was technisch möglich wäre. Was tatsächlich passiert ist, messen nur die Studien, die echte Beschäftigungsdaten über viele Jahre auswerten:

StudieLand, ZeitraumWas gemessen wurdeErgebnis
Acemoglu/Restrepo (2020)USA, 1990–2007Beschäftigung und Löhne in Pendlerregionen, je nach RoboterzuwachsEin Roboter mehr pro 1.000 Beschäftigte: Beschäftigungsquote −0,2 Prozentpunkte, Löhne −0,42 %
Dauth/Findeisen/Südekum/Wößner (2021)Deutschland, 1994–2014Erwerbsbiografien aus Sozialversicherungsdaten, 402 KreiseRund 1,7 Industriejobs weniger je Roboter, ausgeglichen durch Dienstleistungsjobs; weniger Neueinstellungen statt Entlassungen

Welche Tätigkeiten betroffen sind und welche entstehen

Für Deutschland gibt es eine Rechnung, die Beruf für Beruf vorgeht. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestimmt seit 2013 alle drei Jahre sogenannte Substituierbarkeitspotenziale [6]. Für die rund 4.600 bekannten Berufe prüfen Fachleute, welcher Anteil der Kerntätigkeiten mit der verfügbaren Technik vollautomatisch erledigt werden könnte. Das IAB schreibt dazu: Es gehe ausschließlich um technische Machbarkeit. Eine ersetzbare Tätigkeit werde deshalb nicht zwingend in den nächsten Jahren ersetzt.

Die jüngste Auswertung gilt für das Jahr 2022:

BerufssegmentErsetzbarer Anteil der Tätigkeiten (2022)
Fertigungsberufe87,9 %
Fertigungstechnische Berufe74,8 %
Verkehrs- und Logistikberufe61,2 %
Medizinische und nichtmedizinische Gesundheitsberufe26,5 %
Soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe13,5 %

38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten 2022 in einem Beruf, in dem mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten ersetzbar wären. Das waren 13,03 Millionen Menschen. 2013 lag der Anteil bei 15 Prozent, 2016 bei 25 und 2019 bei 34 Prozent. Der Anstieg spiegelt neue Technik, nicht verlorene Jobs: In derselben Zeit ist die Zahl der Beschäftigten gestiegen, von 29,4 auf 34,4 Millionen.

Das Muster dahinter ist alt. Am leichtesten lassen sich Tätigkeiten automatisieren, die festen, klar beschriebenen Abläufen folgen. Dass Routineberufe zurückgehen, war schon 2013 gut belegt, darauf bauten Frey und Osborne auf [1]. Schwer zu ersetzen sind Tätigkeiten mit Menschen, mit Urteilsvermögen und mit wechselnden Situationen. Darum liegen soziale und Gesundheitsberufe in der Tabelle unten.

Neu in der IAB-Auswertung von 2024: Der Anteil stieg am stärksten bei den Expertenberufen, für die meist ein Hochschulabschluss nötig ist, um fast 10 Prozentpunkte auf knapp 36 Prozent. Das IAB führt das vor allem auf generative KI zurück. Bei Helfer- und Fachkraftberufen ist der Anteil weiterhin am höchsten. Und: Es gibt laut IAB derzeit fast keinen Beruf, der vollständig ersetzt werden könnte.

Was neu entsteht, ist schwerer zu zählen als das, was wegfällt. Zwei Befunde helfen. In der deutschen Roboterstudie übernahmen Beschäftigte in automatisierten Betrieben neue Aufgaben, die besser bezahlt waren und mehr abstrakte und weniger Routineaufgaben enthielten [4]. Profitiert haben auch Berufe mit ergänzenden Aufgaben, etwa Führungskräfte und technische Fachleute. Die OECD verweist auf US-Forschung, nach der die Mehrheit der heutigen Beschäftigung in Berufsfeldern liegt, die erst nach 1940 entstanden sind [7]. Solche neuen Berufe tauchen in Potenzialrechnungen nicht auf, weil es sie zum Zeitpunkt der Rechnung noch nicht gibt.

Die Gegenbewegung: mehr Rentner als Berufseinsteiger

Die Frage nach den Robotern stellt sich in Deutschland vor einem besonderen Hintergrund. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts werden bis 2040 rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren überschritten haben [8]. Das entspricht 30 Prozent aller Erwerbspersonen von 2025. Die 55- bis 59-Jährigen stellten 2025 mit 5,5 Millionen die größte Altersgruppe am Arbeitsmarkt. Die 25- bis 34-Jährigen kamen auf 8,8 Millionen, verteilt auf zehn Jahrgänge statt fünf. Das Amt hält fest: Jüngere Altersgruppen werden die Babyboomer zahlenmäßig nicht ersetzen.

Das verändert die Lage. Wenn Roboter vor allem dazu führen, dass Betriebe weniger neu einstellen, wie es die deutsche Studie für 1994 bis 2014 zeigt, dann trifft das in den kommenden Jahren auf einen Arbeitsmarkt, der ohnehin schrumpft. Das ist unsere Überlegung, kein Ergebnis einer Studie. Die OECD berichtet aus Befragungen von Unternehmen Ähnliches: Viele Firmen, die früh KI einsetzen, bauen Personal eher über langsameres Einstellen, Kündigungen der Beschäftigten selbst und Ruhestand ab als über Entlassungen. Manche sahen in KI ausdrücklich eine Hilfe gegen fehlende Arbeitskräfte [7].

Das IAB warnt allerdings vor zu viel Zuversicht in die andere Richtung. Weil technische Möglichkeiten oft nicht und vor allem nicht sofort genutzt werden, solle man den Beitrag der Automatisierung gegen Fachkräfteengpässe nicht überschätzen [6]. Roboter lösen den Personalmangel also nicht, und der Personalmangel macht Roboter nicht harmlos für den Einzelnen. Wer den Betrieb wechseln muss, verliert laut Dauth und Kollegen weiterhin Einkommen.

Industrieroboter, generative KI, Humanoide: drei verschiedene Fragen

In der Debatte verschwimmen drei Technologien, die auf ganz verschiedene Tätigkeiten zielen und für die es sehr unterschiedlich gute Daten gibt.

Industrieroboter sind der am besten untersuchte Fall. Sie arbeiten fest montiert. In Deutschland kamen zwischen 1994 und 2014 die meisten neuen Roboter in der Autoindustrie hinzu, daneben bei Kunststoffprodukten und elektronischen Bauteilen [4]. Die Langzeitstudien oben beziehen sich auf sie. Ihre Effekte sind gemessen, aber eben für die Jahre bis 2007 in den USA und bis 2014 in Deutschland.

Generative KI trifft andere Tätigkeiten: Texte, Auswertungen, Büroarbeit. Das IAB nennt Beispiele für den Anstieg seit 2019: Bei Journalistinnen und Schriftstellern stieg der ersetzbare Anteil der Tätigkeiten von 20 auf 40 Prozent, bei Hörfunk- und Fernsehsprechern von 14 auf 43 Prozent [6]. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO kommt 2025 zu dem Ergebnis, dass weltweit jeder vierte Beschäftigte in einem Beruf arbeitet, der in irgendeiner Form generativer KI ausgesetzt ist. In der höchsten Stufe liegen 3,3 Prozent der Beschäftigung, in Ländern mit hohem Einkommen ist der Gesamtanteil mit 34 Prozent deutlich größer [9]. Am stärksten betroffen sind Bürotätigkeiten. Die ILO hält eine Veränderung der Jobs für die wahrscheinlichste Folge, nicht ihren Wegfall. Auch hier gilt: „Ausgesetzt“ heißt, dass ein Teil der Aufgaben technisch von KI erledigt werden könnte. Die OECD stellte 2023 fest, dass KI die Zahl der Arbeitsplätze bis dahin nur wenig verändert hatte [7].

Ein humanoider Roboter bedient ein Steuerpult in einer Hightech-Fabrik
Humanoide Roboter sind in Fabriken bisher im Testbetrieb. Belastbare Daten zu ihren Folgen für Arbeitsplätze gibt es noch nicht. KI-generiertes Symbolbild

Humanoide Roboter sind der Fall ohne Daten. Sie stecken in Pilotprojekten, eine Arbeitsmarktstudie über ihre Folgen kann es noch nicht geben. Was folgt, ist deshalb unsere Einschätzung, keine Forschungslage: Humanoide sollen dort arbeiten, wo Räume für Menschen gebaut sind und Aufgaben wechseln. Gelingt das zuverlässig und zu vertretbaren Kosten, könnten sie Tätigkeiten erreichen, die für fest montierte Roboterarme bisher nicht in Frage kamen, etwa im Lager oder bei wechselnden Handgriffen in der Montage. Ob und wann das wirtschaftlich wird, ist offen. Den Stand der Technik und der Hersteller beschreibt unser Artikel Humanoide Roboter. Ob sich die deutschen Befunde auf diese Maschinen übertragen lassen, wird man erst in einigen Jahren wissen.

Was die Studien zeigen und was nicht

Was sie zeigen:

  • Industrieroboter verdrängen Arbeit in der Industrie. Das ist in den USA wie in Deutschland gemessen.
  • In Deutschland wurde diese Verdrängung zwischen 1994 und 2014 durch neue Dienstleistungsjobs ausgeglichen. Sie lief über weniger Neueinstellungen, nicht über Massenentlassungen.
  • Die Folgen treffen Menschen ungleich: Berufseinsteiger und Wechsler tragen die Last, wer im Betrieb neue Aufgaben übernimmt, profitiert.
  • Routinetätigkeiten sind am leichtesten zu automatisieren, Arbeit mit Menschen am schwersten.

Was sie nicht zeigen:

  • Sie zeigen nicht, dass Automatisierung harmlos ist. Der ausgeglichene Gesamtwert verdeckt Verluste für einzelne Gruppen.
  • Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragen. Gleiche Methode, aber andere Arbeitsmarktregeln führten in den USA zu einem anderen Ergebnis.
  • Sie sagen nichts Gesichertes über generative KI und Humanoide. Die Zeiträume enden, bevor diese Technik eine Rolle spielte.
  • Potenzialzahlen wie 47, 38 oder 27 Prozent sind keine Prognosen. Sie beschreiben, was technisch ginge, nicht, was Betriebe tun werden.

Unsere Einordnung: Panik findet in den Daten keinen Halt, Entwarnung aber auch nicht. Der Arbeitsmarkt hat sich in Deutschland bisher angepasst, weil Betriebe Beschäftigte umgesetzt haben und weil der Dienstleistungssektor wuchs. Beides ist kein Naturgesetz. Für die Titelfrage heißt das: Roboter haben in Deutschland bisher weniger Arbeit weggenommen als verschoben. Für die nächste Welle steht die Antwort noch aus.

Häufige Fragen

Nehmen Roboter in Deutschland Arbeitsplätze weg?

Unterm Strich bisher nicht. Die umfassendste Studie für Deutschland (Dauth und Kollegen, 2021, Daten von 1994 bis 2014) findet, dass Industrieroboter Jobs in der Industrie verdrängt haben, rechnerisch rund 1,7 je Roboter. Dieser Verlust wurde aber durch neue Jobs in Dienstleistungen ausgeglichen. Er lief vor allem über weniger Neueinstellungen junger Menschen, Massenentlassungen gab es nicht. Für generative KI und humanoide Roboter gibt es noch keine vergleichbaren Daten.

Stimmt es, dass 47 Prozent aller Jobs durch Automatisierung verschwinden?

Nein, so steht es nicht in der Studie. Frey und Osborne schätzten 2013, dass 47 Prozent der Beschäftigung in den USA auf Berufe entfallen, die technisch in einem nicht festgelegten Zeitraum automatisierbar sein könnten. Wie viele Jobs tatsächlich wegfallen, haben sie ausdrücklich nicht geschätzt. Eine OECD-Studie, die einzelne Tätigkeiten statt ganzer Berufe bewertet, kam 2016 auf 9 Prozent im OECD-Schnitt und rund 12 Prozent für Deutschland.

Welche Berufe sind am stärksten von Automatisierung betroffen?

Nach dem IAB haben Fertigungsberufe den höchsten Anteil technisch ersetzbarer Tätigkeiten, 2022 waren es 87,9 Prozent. Es folgen fertigungstechnische Berufe sowie Verkehrs- und Logistikberufe. Am niedrigsten liegen soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe mit 13,5 Prozent. Am stärksten gestiegen ist der Anteil zuletzt in Expertenberufen, vor allem durch generative KI. Ein ersetzbarer Anteil bedeutet aber nicht, dass der Beruf verschwindet.

Warum zeigen Studien aus den USA negativere Effekte als aus Deutschland?

Acemoglu und Restrepo fanden für die USA (1990 bis 2007) sinkende Beschäftigung und Löhne in Regionen mit mehr Robotern. Die deutsche Studie nutzt dieselbe Methode und findet ebenfalls Verdrängung, im Schnitt etwa halb so stark, aber ausgeglichen durch neue Dienstleistungsjobs. Die Autoren sehen einen Hinweis auf die Rolle von Beschäftigtenschutz und Gewerkschaften. Bewiesen ist diese Erklärung nicht.

Ist generative KI für Arbeitsplätze riskanter als Industrieroboter?

Das lässt sich noch nicht beantworten. Generative KI erreicht andere Tätigkeiten, vor allem Büro- und Textarbeit, und erhöht laut IAB den ersetzbaren Anteil gerade in Berufen mit Hochschulabschluss. Die ILO schätzt, dass weltweit jeder vierte Beschäftigte in einem Beruf mit gewisser KI-Betroffenheit arbeitet, hält aber eine Veränderung der Jobs für wahrscheinlicher als ihren Wegfall. Langzeitdaten über tatsächliche Folgen wie bei Industrierobotern gibt es noch nicht.

Einordnung: Dieser Artikel gibt die Studienlage mit Stand Oktober 2026 wieder. Die Studien zu Industrierobotern beziehen sich auf bestimmte Länder und Zeiträume (USA 1990 bis 2007, Deutschland 1994 bis 2014) und vergleichen Regionen, keine einzelnen Betriebe im Experiment. Potenzialstudien messen technische Machbarkeit, keine Jobverluste. Aussagen zu humanoiden Robotern sind als Einschätzung der Redaktion gekennzeichnet.

Quellen

  1. Frey, Carl Benedikt; Osborne, Michael A.: The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation? Arbeitspapier, Oxford Martin School, 17. September 2013; Zeitschriftenfassung in Technological Forecasting and Social Change 114 (2017), S. 254–280, DOI 10.1016/j.techfore.2016.08.019. Quelle für 702 Berufe, die 47 Prozent, den offenen Zeitraum und den Satz, dass keine tatsächlichen Jobverluste geschätzt werden.
    oxfordmartin.ox.ac.uk · doi.org/10.1016/j.techfore.2016.08.019 Abgerufen am 1. Oktober 2026
  2. OECD: Automation and Independent Work in a Digital Economy, Policy Brief on the Future of Work, Mai 2016. Zusammenfassung von Arntz, Melanie; Gregory, Terry; Zierahn, Ulrich: The Risk of Automation for Jobs in OECD Countries: A Comparative Analysis, OECD Social, Employment and Migration Working Papers Nr. 189, 2016, DOI 10.1787/5jlz9h56dvq7-en. Quelle für 9 Prozent im Schnitt der untersuchten Länder, rund 12 Prozent in Deutschland und weitere 25 Prozent mit starkem Wandel.
    oecd.org (PDF) Abgerufen am 1. Oktober 2026
  3. International Federation of Robotics: Robot Density Surges in Europe, Asia, and Americas, Pressemitteilung vom 8. April 2026, Daten aus World Robotics 2025 für das Jahr 2024. Quelle für die Roboterdichte Deutschlands (449), Südkoreas (1.220), Singapurs (818), der USA (307) und der EU (231) je 10.000 Beschäftigte.
    ifr.org Abgerufen am 1. Oktober 2026
  4. Dauth, Wolfgang; Findeisen, Sebastian; Suedekum, Jens; Woessner, Nicole: The Adjustment of Labor Markets to Robots. Journal of the European Economic Association 19 (2021), Nr. 6, S. 3104–3153, DOI 10.1093/jeea/jvab012. Quelle für Zeitraum, Datenbasis, 1,7 verdrängte Industriebeschäftigte je Roboter, den Ausgleich durch Dienstleistungen, die Folgen für Berufseinsteiger und Wechsler sowie die Rolle der Gewerkschaften. Verlinkt ist die frei zugängliche Fassung bei der Deutschen Nationalbibliothek.
    d-nb.info (PDF) · DOI 10.1093/jeea/jvab012 Abgerufen am 1. Oktober 2026
  5. Acemoglu, Daron; Restrepo, Pascual: Robots and Jobs: Evidence from US Labor Markets. Journal of Political Economy 128 (2020), Nr. 6, S. 2188–2244, DOI 10.1086/705716. Quelle für den Effekt von 0,2 Prozentpunkten auf die Beschäftigungsquote und 0,42 Prozent auf die Löhne; der Zeitraum 1990 bis 2007 ist in der Arbeitspapier-Fassung (NBER Working Paper 23285, 2017) angegeben.
    ideas.repec.org · nber.org/papers/w23285 · DOI 10.1086/705716 Abgerufen am 1. Oktober 2026
  6. Grienberger, Katharina; Matthes, Britta; Paulus, Wiebke: Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt: Vor allem Hochqualifizierte bekommen die Digitalisierung verstärkt zu spüren. IAB-Kurzbericht 5/2024, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Quelle für die Substituierbarkeitspotenziale 2022 nach Berufssegment und Anforderungsniveau, die Anteile von 2013 bis 2022, die Beispiele zu generativer KI und die Hinweise zur technischen Machbarkeit. Werte für einzelne Berufe zeigt der IAB-Job-Futuromat.
    doku.iab.de (PDF) · job-futuromat.iab.de Abgerufen am 1. Oktober 2026
  7. OECD: OECD Employment Outlook 2023: Artificial Intelligence and the Labour Market, Juli 2023, DOI 10.1787/08785bba-en. Quelle für 27 Prozent der Beschäftigung in Berufen mit höchstem Automatisierungsrisiko (OECD-Schnitt), die bisher geringen Effekte von KI auf die Zahl der Arbeitsplätze, das Verhalten früher KI-Anwender und den Verweis auf neue Berufsfelder seit 1940.
    oecd.org (PDF) · DOI 10.1787/08785bba-en Abgerufen am 1. Oktober 2026
  8. Statistisches Bundesamt (Destatis): 13,3 Millionen Erwerbspersonen erreichen in den nächsten 15 Jahren das gesetzliche Rentenalter, Pressemitteilung Nr. N039 vom 23. Juni 2026, Erstergebnisse des Mikrozensus 2025.
    destatis.de Abgerufen am 1. Oktober 2026
  9. Gmyrek, Paweł; Berg, Janine; Kamiński, Karol; Konopczyński, Filip; Ładna, Agnieszka; Nafradi, Balint; Rosłaniec, Konrad; Troszyński, Marek: Generative AI and Jobs: A Refined Global Index of Occupational Exposure. ILO Working Paper 140, Internationale Arbeitsorganisation, 20. Mai 2025, DOI 10.54394/HETP0387. Quelle für jeden vierten Beschäftigten mit KI-Betroffenheit, 3,3 Prozent in der höchsten Stufe, 34 Prozent in Ländern mit hohem Einkommen und die Einschätzung, dass Veränderung wahrscheinlicher ist als Wegfall.
    ilo.org · doi.org/10.54394/HETP0387 Abgerufen am 1. Oktober 2026

So arbeiten wir

Wir belegen Zahlen mit der jeweiligen Primärquelle und nennen das Abrufdatum. Bei Studien geben wir Land, Zeitraum und Methode an und übernehmen die Vorsicht der Autoren, statt sie zuzuspitzen. Einschätzungen der Redaktion kennzeichnen wir als solche. Fehler bitte an kontakt@mtp-solutions.de, wir korrigieren und vermerken die Änderung.

Veröffentlicht: Oktober 2026 · Quellen zuletzt geprüft: 1. Oktober 2026 · Redaktion RobotikSignal, verantwortlich: Marc Partipilo

RobotikSignal · Redaktion
Redaktionell verantwortlich: Marc Partipilo

RobotikSignal beobachtet die Entwicklung humanoider Roboter und ordnet sie ein: verständlich, unabhängig und mit Blick auf das, was im Alltag zählt. Kein Hype, kein Untergang, nur das Signal aus dem Rauschen. Verantwortlich für die Inhalte ist Marc Partipilo; die vollständigen Angaben stehen im Impressum.

Der Signal-Brief · Newsletter

Empfange das Signal zuerst.

Die wichtigsten Entwicklungen aus Robotik und KI, verständlich eingeordnet. Kein Spam, kein Hype.

Kostenlos · Abmeldung jederzeit möglich · Datenschutzerklärung